Hin zu einer ressourcenschonenden, klimaneutralen Kreislaufwirtschaft

Bei sortenreiner Erfassung des Schrotts ist eine Wiederverwertung von Metallen ohne große Qualitätsverluste realisierbar. FOTO: TORYPHOTOGRAPHY@GMAIL.COM

 

VON TOBIAS RENNINGS, DÜSSELDORF


Zur Herstellung von Gussprodukten werden Ressourcen wie Rohstoffe und Energie benötigt. Deren Verfügbarkeit ist einerseits endlich und deren Gewinnung und Verbrauch tragen zum Klimawandel bei. Dies stellt Gesellschaft, Politik und Industrien vor die dringliche Aufgabe, sich mit diesen Herausforderungen zu befassen und Lösungskonzepte zu erarbeiten, um den Rohstoff- und fossile Energieverbrauch zu reduzieren.

 

Ein Konzept zur Realisierung einer ressourcenleichten Produktion ist, Materialien zu verwenden, die langlebig sind und möglichst ohne Verluste und unter geringem Energieeinsatz häufig wiederverwendbar sind. Bekanntermaßen sind für die Primärherstellung von Metallen beispielsweise aus Erzen, große Energiemengen erforderlich. Sind Metalle jedoch einmal erzeugt, weisen sie exakt die für eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft postulierten Eigenschaften auf. Gusswerkstoffe sind daher unverzichtbare Ressourcenschützer. Recycling raten von über 95 % sind hier keine Seltenheit. Bei sortenreiner Erfassung des Schrotts ist eine Wiederverwertung von Metallen ohne große Qualitätsverluste realisierbar. Für das Recycling von Aluminium fällt zudem nur ein Bruchteil, etwa 5 %, des Energiebedarfs an, der zur Herstellung von Primärmaterial benötigt wird. Mit steigender Zahl neuer Bauteillebenszyklen reduziert sich somit neben dem Rohstoff- auch der Energieverbrauch. Noch heute sind beispielsweise etwa 75 % des jemals erzeugten Aluminiums im Einsatz. Zudem beträgt die Lebenszykluszeit von Gussteilen oftmals über 20 Jahre.

Steigende Bedarfe nach industriell hergestellten Produkten und insbesondere nach ressourcenschonenden Metallen über die letzten 20 Jahre führen allerdings trotz der hohen Recyclingraten dazu, dass Sekundärmaterial und Schrotte ein knappes Gut sind. Immer öfter wird für einen individuellen Marktvorteil der Ansatz gewählt, Produkte hinsichtlich ihrer Nach haltigkeit am Anteil des enthaltenen Recyc lingmaterials zu bemessen. Inzwischen können etwa 60 % des Materialbedarfs an Aluminium durch Sekundärmaterial abgedeckt werden. Dies ist bereits ein großer Erfolg. Angesichts der begrenzten Verfügbarkeit ist o.g. Ansatz der Produktbewertung hinsichtlich des Anteils an Recyclingmaterial für den Umweltnutzen schwierig, da er nur individuelle Produkte besserstellt, jedoch nicht für alle Produkte Recyc lingmaterial verfügbar sein wird. Um den Umweltnutzen insgesamt zu bemessen, bietet es sich an, die Verfügbarkeit von Recyclingmaterial zu betrachten. Um diesen weiter zu steigern, werden Anstrengungen entlang der Lieferkette notwendig sein. Dabei wird es um eine weitere Zunahme der sortenreinen Erfassung von Schrotten gehen. Dazu kommen ein recyc linggerechtes Design von Produkten sowie weitere Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. Auch die Reduzierung der Vielfalt von Gusslegierungen kann ein Weg sein, um die Recyclingquote zu erhöhen. Dies steht aber im Spannungsfeld zur Verfügbarkeit einer breiten Gusslegierungspalette, um geforderte Produkteigenschaften zu erzielen. Gleichwohl ist die Gießerei-Industrie bereits eine klassische Recyclingbranche und trägt wesentlich zur Unabhängigkeit von endlichen Rohstoffen bei.